Schlusswort von Rudolf Helfrich, stellvertr. Vorsitzender des Bildungsverbandes, zum Deutschen Weiterbildungsforum 2009
Meine Damen und Herren,
die Bundeskanzlerin wird in diesen Tagen nicht müde zu fordern, „Deutschland solle stärker aus der schwersten Realwirtschaftskrise seit Jahrzehnten herauskommen als es hineingegangen ist. Die Umsetzung dieses höchst unterstützenswerten Zieles wird sich allerdings nicht von selbst einstellen. Bis es so weit ist, wird sich vieles in diesem Lande ändern. Manches muss zurückgelassen werden, oder bleibt auf der Strecke.
Eines aber ist ganz sicher: Der (Roh-) Stoff aus dem heute Innovationen und Wachstum generiert werden heißt Bildung, Forschung und Entwicklung. Wenn allerdings, wie Bundesarbeitsminister Olaf Scholz in seinem Grußwort festgestellt hat, nur rund 12 % aller Beschäftigten innerhalb eines Jahres an einer Weiterbildung teilnehmen - oder ich erinnere an die zahlreichen Charts von Thomas Sattelberger über die Stellung Deutschlands im OECD-Bildungsranking, dann handelt es sich hierbei um Zustände, die dringend der Änderung bedürfen.
Auch das vorübergehend weniger schrille Klagen hinsichtlich des Mangels an qualifizierten Facharbeitern, Ingenieuren IT-Fachkräften etc. – angesichts von 3.5 Mio. Arbeitslosen und 1.1 Mio. Menschen in Kurzarbeit – sollte den Blick auf das Notwendige nicht verstellen. Die allseits bekannten und heute noch einmal eindrucksvoll demonstrierten demographischen Fakten und die Anforderungen der Wirtschaft nach hochqualifizierten Arbeitskräften machen es erforderlich, alle Kräfte für eine bedarfsorientierte Qualifizierung zu mobilisieren. Dazu allerdings bedarf es weitaus effektiverer Anstrengungen als bisher. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode wurden nicht einmal alle im Koalitionsvertrag festgelegten weiterbildungspolitischen Zielsetzungen angepackt, geschweige denn erledigt.
Dass vom Bildungsgipfel im Oktober vorigen Jahres in Dresden zwischen Kanzlerin und Regierungschefs der Länder eine Qualifizierungsoffensive ausgegangen sei, las ich in den Medien, Staatssekretär Horzietzky erinnerte heute Vormittag daran. Bei den Menschen angekommen ist diese Aktivität meines Erachtens noch nicht. Die Verknüpfung der Ziele des Bildungsgipfels mit den Erfordernissen zur Überwindung der Wirtschaftskrise bedingen deshalb eine Bildungs- und Qualifizierungsoffensive, verbunden mit einem vernünftigen Finanzierungssystem. Denn, wenn dieses Land nicht die Kraft aufbringen sollte, mittelfristig rund 7 % seines Bruttosozialproduktes für Bildung bereitzustellen, wird es zum Mittelmaß – wie wir gesehen haben – nicht mehr reichen, sondern wir werden im internationalen Vergleich noch weiter als dies schon der Fall ist zurückfallen, mit fatalen Folgen für das Land und die Menschen.
Wenn Bildung die beste Sozialpolitik oder laut Sattelberger sogar die beste Sozial- und „Wettbewerbspolitik“ ist und Investitionen in Bildung sich auszahlen für das Individuum (Stichwort: Aufstieg durch Bildung) und für die Gesellschaft, dann frage ich: Was hält uns zurück? Wir haben kein Erkenntnis- sondern wieder einmal ein Umsetzungsproblem! Die künftige Bundesregierung ist also gut beraten, von Anfang an die Förderung der Bildung auf allen Ebenen zum Schwerpunkt ihres Regierungshandelns zu bestimmen. Und, wenn dann auf mittlere Sicht die gesteckten Ziele in greifbare Nähe gerückt oder wenigstens teilweise umgesetzt sind, dann ist es vielleicht berechtigt, von einer „Renaissance“ der Bildung und der Weiterbildung zu sprechen.
Meine Damen und Herren
Die heutige Veranstaltung war der hoffentlich gelungene Versuch, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitiker, Vertreter der Wissenschaft und Bildungspraktiker zusammenzuführen. Die Darstellung von „best practices“ und der Diskurs über neue Ideen, Inhalte und Methoden war Ziel des ersten Deutschen Weiterbildungsforums.
Ich hoffe sehr für den Veranstalter, den Bundesverband der Träger beruflicher Bildung, und würde mich persönlich sehr freuen, wenn Ihre Erwartungen an dieses Forum erfüllt wurden, Sie mit neuen oder aufgefrischten Ideen und motiviert die Heimreise antreten unter dem Motto „Weiter mit Bildung“.