Lernen für's Leben - aber wie?

Podiumsdiskussion zum Lebenslangen Lernen am 21.04.05

Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" hat dem deutschen Bildungssystem im internationalen Vergleich einen großen Nachholbedarf verschrieben. Politiker heizen die Debatte um das „richtige" Schulsystem an: Gesamtschule oder dreigliedriges Schulsystem? Bildungsexperten aber lenken die Diskussion auf Grundlegenderes: Die Rolle der Bildung in der Gesellschaft. So gibt die Bundesrepublik deutlich weniger für die Bildung aus als andere Industrieländer. Während die OECD-Länder im Durchschnitt 12,7 Prozent ihrer öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen aufwenden, liegt Deutschland bei 9,7 Prozent.

Dabei hätte Deutschland nach Ansicht der OECD-Experten allen Grund, mehr Geld in die Ausbildung seines Nachwuchses zu investieren: Sie sehen in den nächsten Jahren einen steigenden Bedarf nach gut ausgebildeten Fachkräften. Auch die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission "Finanzierung Lebenslangen Lernens" ist am Ende ihrer Arbeit „noch mehr als zu Beginn davon überzeugt, dass die deutsche Gesellschaft Bildung insgesamt eine entschieden höhere Priorität wird einräumen müssen, als in den vergangenen zwanzig bis dreißig Jahren, wenn Deutschland im Wettbewerb der nationalen Ökonomien nicht weiter zurückfallen will.“

Die Frage, wie lebensbegleitendes Lernen nicht nur finanziert, sondern  auch stärker in der Öffentlichkeit verankert werden könnte, interessierte  mehr als 70 Gäste, darunter mehrere Bundestagsabgeordnete der  Fraktionen der SPD und der CDU, die Rudolf Helfrich, Vorsitzender des  Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung (BBB), zu der Veranstaltung  unter dem Motto „Lernen für’s Leben - aber wie?“ am 21. April 2005 in Berlin  begrüßen konnte.

Dabei ging es Rudolf Helfrich nicht nur um die Botschaft „Weiterbildung braucht in Deutschland eine engagierte Lobby“, sondern auch um die Klärung der Frage, wie künftig der Standort Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit  sichern und ausbauen kann: „Weiterbildung wird in Zukunft aus ihrer stiefmütterlichen Rolle kommen müssen, wenn sich die deutsche Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht von der Entwicklung in der Europäischen Union und der Weltwirtschaft abkoppeln lassen will.“ Aus Sicht des Bildungsverbandes, so Helfrich, sei es dringend erforderlich, die immense Bedeutung des Themas Bildung, und nicht zuletzt die des lebensbegleitenden Lernens, viel stärker im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit zu verankern. Deshalb gelte es, schnellstmöglich nach Alternativen zu suchen, die den Bestand dieses wichtigen Teils des deutschen Bildungssystems sichern“.

Entscheidende Impulse für die anschließende Podiumsdiskussion setzte Prof. Dr. Bernhard Nagel von der Universität Kassel und Mitglied der Kommission „Finanzierung Lebenslangen Lernens“. Er machte in seinem Referat deutlich, wie entscheidend lebensbegleitendes Lernen für die künftige gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung Deutschlands sein wird. Dabei stellte er sowohl den staatlichen als auch den unternehmerischen Bemühungen in der Weiterbildungsplanung in Deutschland im Vergleich zu europäischen Nachbarn ein schlechtes Zeugnis aus. „Deutschland investiert zu wenig in die berufliche Weiterbildung.“ Dabei machte er auch nicht Halt vor einer deutlichen Kritik an den Auswirkungen der Hartz-Gesetze in ihrer Bedeutung für die Weiterbildung. „Die Entwicklung zeigt, dass Hartz I - IV gescheitert ist.“ PSA seien ein Flop, ebenso die Job-Floater, die Praxis der Bildungsgutscheine sei kontraproduktiv.   

Zur folgenden Podiumsdiskussion hatte der Bundesverband der Träger beruflicher Bildung ausgewiesene Expertinnen und Experten eingeladen. Auf dem Podium standen Rede und Antwort die Bildungspolitiker Jörg Tauss (SPD) und Uwe Schummer (CDU). Ergänzt wurden sie von Dr. Ursula Herdt, Weiterbildungsexpertin der GEW und dort im Bundesvorstand sowie Klaus Luther, Ministerialdirigent im BMBF. Durch die Diskussion führte fachkundig Ulrich Aengenvoort, Verbandsdirektor des Deutschen Volkshochschulverbandes und Vorstandsmitglied des Bildungsverbandes. Die lebhaft geführte Diskussion war deutliches Zeichen dafür, dass das Thema aktuell ist und neue Lösungswege verlangt.

Das Podium (v.l.n.r.): Jörg Tauss (SPD), Dr. Ursula Herdt (GEW), Ulrich Aengenvoort (dvv/BBB), Prof. Dr. Bernhard Nagel, Klaus Luther (BMBF) und Uwe Schummer (CDU).

Vortrag von Prof. Dr. Nagel zum Download

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Der Vortrag von Prof. Dr. Nagel liegt auch als Broschüre vor, die Sie hier anfordern oder als PDF-Datei herunter laden können.

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